Vanlife klingt nach grenzenloser Freiheit, Sonnenuntergängen am Strand und einem minimalistischen Leben im Einklang mit der Natur – aber wie funktioniert das, wenn Kinder an Bord sind? Influencer:innen zeigen auf Social Media, wie sie mit Baby und Partner im Camper reisen, doch was steckt wirklich dahinter? Zwischen Windeln wechseln auf engstem Raum, fehlender Privatsphäre und Beziehungsproben gibt es viele Herausforderungen. Wir werfen einen ehrlichen Blick auf die Schattenseiten und Alltagstests des #Vanlife mit Familie.
Das Vanlife übt eine große Faszination aus: Jeden Tag dort aufwachen, wo es am schönsten ist, mit minimalistischem Gepäck die Welt entdecken und dabei unabhängig und selbstbestimmt leben. Besonders auf Social Media zeigen Influencer:innen, wie sie mit Baby und Partner die Natur genießen und gleichzeitig ihren Alltag aus dem Camper heraus managen. Doch während Instagram-Feeds oft nach endlosem Sommer und Harmonie aussehen, sieht die Realität oft anders aus. Wie gestaltet sich das Leben als Vanlife-Mama?
Immer mehr junge Familien entscheiden sich für ein Leben im Van, sei es als temporäre Auszeit oder als dauerhafte Lebensform. Die Gründe sind vielseitig:
Auf Social Media sieht das Vanlife als Familie oft entspannt aus: Ein Baby schläft friedlich in einer selbstgebauten Hängematte, während die Eltern mit Blick aufs Meer frühstücken. Doch was sieht man nicht?
Ein Campervan bietet weit weniger Platz als eine Wohnung – mit einem Kind wird es schnell eng. Spielzeug, Kleidung und Babyutensilien müssen clever verstaut werden, und jeder Zentimeter zählt. Besonders im Winter oder bei schlechtem Wetter kann das beengte Wohnen zur Herausforderung werden.
Babys und Kleinkinder brauchen Routine – das kann beim Vanlife schwierig sein. Unterschiedliche Schlafumgebungen, wechselnde Geräuschkulissen und Temperaturschwankungen können die Nachtruhe empfindlich stören.
Ohne festes Zuhause stellt sich die Frage nach sanitären Einrichtungen: Wo wickelt man das Baby? Wo gibt es eine sichere Badewanne? Hinzu kommen Herausforderungen wie Wasserversorgung, Wäschewaschen und eine gesunde Ernährung unterwegs.
Kinder brauchen nicht nur ihre Eltern, sondern auch den Kontakt zu Gleichaltrigen. Ständiges Reisen kann bedeuten, dass sie keine festen Freundschaften aufbauen und wenig soziale Routine haben. Viele Vanlife-Familien organisieren daher gezielt Treffen mit anderen reisenden Eltern oder vernetzen sich in Online-Communities.
Nicht nur für Kinder, auch für die Partnerschaft ist das Vanlife eine Herausforderung. Ständiger Kontakt auf engstem Raum, wenig Privatsphäre und Alltagsstress können zu Konflikten führen.
Ein Van hat keinen separaten Raum zum Zurückziehen – das bedeutet, dass Streitigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten direkt ausgetragen werden müssen.
Das Leben im Van erfordert eine klare Aufgabenverteilung: Wer kümmert sich ums Fahren, Einkaufen, Kochen, Kinderbetreuung und Routenplanung? Oft übernehmen Frauen neben der Care-Arbeit auch das „emotionale Management“ – ein Punkt, der in vielen Influencer-Posts kaum thematisiert wird.
Während viele Vanlife-Influencer:innen durch Sponsoring oder digitale Jobs Geld verdienen, sieht das für andere nicht so einfach aus. Die Frage, wie man sich das Leben im Van leisten kann, ist ein oft ausgeblendetes Thema.
Ein Beispiel für eine inspirierende Vanlife-Mama ist Sarita (@sa.na.lou), Mutter von drei Kindern, die gemeinsam mit ihrem Partner Tom ein Part-Time Vanlife führt. Kürzlich teilte sie eine Roomtour ihres wunderschön ausgebauten Vans und gibt persönliche Einblicke in ihren Alltag mit Kindern und Partner.
Gemeinsam mit Tom betreibt sie den Instagram-Account Little Wild Adventures (@little.wild.adventures), wo sie wertvolle Tipps zum Van-Ausbau gibt und speziell über die Herausforderungen und Freuden des Vanlife mit Kindern berichtet. Ihr Content zeigt realistische Einblicke – von harmonischen Momenten bis hin zu den logistischen und emotionalen Herausforderungen dieses Lebensstils.
Vanlife wird auf Social Media oft als eine unendliche Quelle von Freiheit, Nähe zur Natur und glücklichen Familienmomenten dargestellt. Doch abseits der perfekt inszenierten Instagram-Posts gibt es zahlreiche Herausforderungen, die den Alltag im Van erschweren können. Wer sich für diesen Lebensstil entscheidet, sollte sich bewusst machen, dass das Leben auf vier Rädern nicht nur Abenteuer und Romantik bedeutet, sondern auch Stress, Unsicherheiten und logistische Hürden mit sich bringt.
Technische Probleme: Ein kaputter Van kann das gesamte Leben auf den Kopf stellen und hohe Kosten verursachen.
Lange Fahrten & Reiseerschöpfung: Ständiges Unterwegssein kann für Kinder und Eltern anstrengend sein.
Bürokratische Hürden: Versicherung, Anmeldung eines Wohnsitzes, Schulpflicht – viele Themen werden in den sozialen Medien kaum behandelt.
Das Vanlife kann eine wundervolle Erfahrung sein – aber es ist nicht für jede Familie die richtige Wahl. Wer sich für diesen Lebensstil interessiert, sollte sich bewusst machen, dass es neben den romantischen Bildern auch viele logistische, emotionale und finanzielle Herausforderungen gibt. Wer realistisch plant, sich gut vernetzt und flexibel bleibt, kann jedoch eine unvergessliche Zeit mit seiner Familie auf vier Rädern erleben.